„Wenn mich also jemand fragt, ob ich ein Erasmus-Semester in Wien empfehlen würde? Absolut – es war eine der besten Entscheidungen meines Studiums!“
Vorbereitung
5 Monate in einer der lebenswertesten Städte Europas zu verbringen – diese Möglichkeit bot mir mein Erasmus-Semester. Doch warum fiel meine Wahl auf Wien? Ehrlich gesagt, war es ursprünglich nicht meine erste Wahl. Mein Plan war es, nach Großbritannien zu gehen, doch durch den Brexit war das nicht mehr möglich. Also beschäftigte ich mich intensiver mit der Liste der Partnerhochschulen und stieß dabei auf die FHWien der WKW. Schnell überzeugten mich sowohl das Studienangebot als auch die Stadt selbst – Wien wurde schließlich nicht ohne Grund mehrfach zur lebenswertesten Stadt gekürt.
Nachdem ich mich für Wien entschieden hatte, erhielt ich schon bald die Zusage. Überraschenderweise gehörte Wien laut Einschätzung des International Offices nicht zu den beliebtesten Zielen – ich war die einzige Studierende der RH, die sich in diesem Semester für Wien entschieden hatte. Doch das stellte kein Problem dar, denn die FHWien erwies sich als hervorragend organisiert. Die Kommunikation verlief reibungslos, meine Fragen wurden schnell beantwortet und auch die Kurswahl war unkompliziert.
Ein wesentlicher Aspekt in der Vorbereitung war die Wohnungssuche. Dank meiner Deutschkenntnisse hatte ich hierbei einen klaren Vorteil. Ich wusste von Anfang an, dass ich gerne in einer WG wohnen wollte und wurde nach einigen Bewerbungen auf WG-Gesucht fündig: eine 6er-WG im 1. Bezirk – ein absoluter Glücksgriff! Die zentrale Lage war ideal, allerdings auch mit höheren Mietkosten verbunden. Wer eine preiswertere Option in guter Lage sucht, sollte sich die Bezirke 7 bis 9 anschauen. Wien ist jedoch hervorragend an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden, sodass auch die Randbezirke eine gute Alternative darstellen.
Apropos Verkehr: Die öffentlichen Verkehrsmittel in Wien sind nicht nur zuverlässig, sondern auch günstig – mit dem Semesterticket für 75 € konnte ich die gesamte Stadt während meines Aufenthaltes problemlos erkunden.
Aufenthalt
Studium
Die Integration an der Hochschule verlief durch das ESN-Team (Erasmus Student Network) sehr unkompliziert. Während der ersten zwei Wochen fanden zahlreiche Events statt: Stadtführungen, Weinwanderungen, Quizabende und Clubnächte – perfekte Gelegenheiten, um Wien kennenzulernen und schnell Anschluss zu finden. Besonders hilfreich war, dass die Events von Locals begleitet wurden, die uns das ganze Semester über als Ansprechpersonen zur Verfügung standen.
Akademisch unterschied sich das Semester an der FHWien in einigen Punkten von der Rheinischen Hochschule. Besonders auffällig war die modulare Struktur: Einige Kurse starteten zu Semesterbeginn, andere erst später und hatten flexible Vorlesungstermine. Eine klassische Prüfungsphase gab es nicht – stattdessen fanden Prüfungen und Abgaben über das gesamte Semester verteilt statt. Das hatte den Vorteil, dass die Prüfungen entzerrt wurden, bedeutete aber auch, dass kontinuierlich gearbeitet werden musste. Zudem gab es eine Anwesenheitspflicht von 70 %, die auch streng kontrolliert wurde. Die Endnoten setzten sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, z.B. Mitarbeit, Tests, Abgaben oder Präsentationen, was ich als abwechslungsreich empfand. Die Kurswahl war sehr flexibel, da ich sowohl deutsch- als auch englischsprachige Kurse belegen konnte. Dadurch ergab sich eine gute Mischung und tatsächlich habe ich durch meine internationale WG und die englischsprachigen Kurse während meines Aufenthalts, entgegen meinen Befürchtungen, mehr Englisch als Deutsch gesprochen.
Freizeit und Leben in Wien
Wien ist eine unglaublich schöne Stadt, die eine perfekte Mischung aus historischem Charme, moderner Lebendigkeit und hoher Lebensqualität bietet. Die beeindruckende Architektur, gepflegte Parks und das vielseitige Freizeitangebot haben es mir leicht gemacht, mich wohlzufühlen. Besonders begeistert hat mich das vielfältige kulturelle Angebot. Museen wie das Kunsthistorische Museum, die Albertina oder das Belvedere sind absolut sehenswert und für Studierende in der Regel ermäßigt. Auch die klassische Musik spielt in Wien eine große Rolle – wer schon immer mal eine Oper oder ein Konzert besuchen wollte, bekommt mit attraktiven Ermäßigungen für unter 26-Jährige oder günstigen Stehplatzkarten eine großartige Gelegenheit. Ich selbst war mehrmals in der Volksoper und in der Wiener Staatsoper und vor allem bei letzterer begeistert von der Atmosphäre.
Die Natur in und um Wien hat mich ebenfalls positiv überrascht. Ob ein entspannter Spaziergang im Schlosspark Schönbrunn, ein Picknick am Donaukanal oder eine Wanderung in den Weinbergen von Grinzing – Wien bietet viele Möglichkeiten, dem Stadtleben zu entfliehen.
Das Wiener Nachtleben ist unglaublich vielseitig – während es unter der Woche eher ruhig zugeht, gibt es am Wochenende zahlreiche Möglichkeiten, auszugehen. Von großen Clubs wie dem Praterdome oder dem Voga, über alternative Bars im 7. Bezirk, bis hin zu gemütlichen Weinstuben – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Ein besonderes Highlight im Sommer waren für mich die Outdoor-Partys, bei denen man laue Sommernächte unter freiem Himmel genießen konnte – sei es vor der Albertina oder im Klyo mit wunderschöner Kulisse und entspannter Atmosphäre.
Kulinarisch hat Wien weit mehr zu bieten als Schnitzel und Sachertorte. Neben der traditionellen österreichischen Küche gibt es eine große Auswahl an internationalen Restaurants. Von vietnamesischen Suppenküchen bis hin zu hippen Brunch-Spots gibt es alles, was das kulinarische Herz begehrt. Wer es klassisch mag, sollte auf jeden Fall ein traditionelles Wiener Kaffeehaus besuchen – ein Stück Apfelstrudel mit einer Melange gehört für mich mittlerweile dazu!
Die Lebenshaltungskosten sind insgesamt mit Deutschland vergleichbar, wobei ich vor allem Lebensmittel und Gastronomie teils als etwas teurer empfunden habe.
Ein positiver Überraschungsfaktor war das Wetter: Bis Mitte September war es angenehm warm und der Herbst war einer der schönsten, die ich je erlebt habe. Im Vergleich zu Köln war es insgesamt sonniger und trockener – etwas, womit ich nicht gerechnet hätte. Dennoch muss man sich im Wintersemester vor allem auf einen kalten und zugigen Dezember und Januar einstellen.
Und wenn wir schon vom Wintersemester sprechen – das Wintererlebnis in Wien war für mich etwas ganz Besonderes. Bereits Mitte November erstrahlt die Stadt in wunderschönen Lichtinstallationen, und die zahlreichen Weihnachtsmärkte, die sich über ganz Wien verteilen, sorgen für die perfekte Atmosphäre in der schönsten Zeit des Jahres. Besonders beeindruckend sind die Weihnachtsmärkte am Rathausplatz und Schloss Schönbrunn – beide zählen zu den schönsten und beliebtesten der Stadt. Ihre festliche Kulisse, die funkelnden Lichter und der Duft von Punsch und gebrannten Mandeln machen sie zu einem magischen Erlebnis. Allerdings sind sie auch echte Touristenmagneten. Wer es etwas gemütlicher und weniger überlaufen mag, sollte unbedingt den Weihnachtsmarkt am Alten AKH besuchen. Er bietet eine entspannte, fast dörfliche Atmosphäre, ist unter Einheimischen besonders beliebt und lädt mit seinen urigen Holzhütten und Feuerstellen zum Verweilen ein. Ein weiteres Highlight des Wintersemesters ist das Eislaufen am Wiener Eistraum. Ab Mitte Januar verwandelt sich der Rathausplatz in eine riesige, märchenhafte Eislandschaft mit verschlungenen Bahnen, auf denen man mitten zwischen funkelnden Lichtern und vor der beeindruckenden Kulisse des Wiener Rathauses seine Runden drehen kann. Besonders abends, wenn die Stadt erleuchtet ist, ist es ein einzigartiges Erlebnis, das für mich ein absolutes Winter-Must-Do in Wien war.
Reisen
Ein riesiger Vorteil von Wiens Lage ist die Nähe zu anderen europäischen Städten. Ein Wochenendausflug nach Bratislava dauert nur eine Stunde, nach Budapest ca. drei Stunden. Auch innerhalb Österreichs gibt es tolle Reiseziele – Salzburg, Graz oder Hallstatt sind definitiv eine Reise wert!
Nachbereitung
Das Semester in Wien hat mich sowohl akademisch als auch persönlich bereichert. Fachlich konnte ich durch die unterschiedlichen Lehrmethoden neue Perspektiven gewinnen und auch sprachlich habe ich mich enorm weiterentwickelt. Meine anfängliche Sorge, in Wien nur Deutsch zu sprechen, erwies sich als unbegründet – durch die internationale Umgebung hatte ich viel Kontakt mit Studierenden aus aller Welt.
Kulturell habe ich einige Unterschiede bemerkt. Während die Wiener auf den ersten Blick etwas reservierter wirken, sind sie im persönlichen Gespräch sehr hilfsbereit und freundlich. Anfangs musste ich mich daran gewöhnen, dass Small Talk weniger verbreitet ist, aber insgesamt hatte ich fast ausschließlich positive Begegnungen.Besonders wertvoll war die internationale Vernetzung – ich habe viele inspirierende Menschen kennengelernt und Freundschaften geschlossen, die weit über das Semester hinaus bestehen.
Fazit
Mein Auslandssemester in Wien unvergessliche Erfahrung, die ich jederzeit wiederholen würde. Ich habe eine Stadt kennengelernt, die unglaublich viel zu bieten hat – sei es kulturell, landschaftlich oder in Sachen Lebensqualität.
Besonders beeindruckt hat mich die Mischung aus imperialer Geschichte und jungem, kreativem Flair. Wien verbindet Tradition mit Modernität auf eine Weise, die ich vorher so nicht erwartet hatte. Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt, sei es durch die Hochschule, meine WG oder das Erasmus-Netzwerk. Akademisch konnte ich neue Perspektiven gewinnen, sprachlich habe ich mich weiterentwickelt und persönlich bin ich durch die Erfahrung gewachsen. Wien ist eine Stadt, in der ich mich zu jeder Zeit sicher und willkommen gefühlt habe.
Wenn mich also jemand fragt, ob ich ein Erasmus-Semester in Wien empfehlen würde?
Absolut – es war eine der besten Entscheidungen meines Studiums!
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International Office
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