„Definitiv eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Doch fangen wir vorne an...“
Vorbereitung
Zuerst ein paar Worte zu meiner Person: Mein Name ist Nicolas, ich befinde mich im Mastehrstudiengang Technical Management an der Rheinischen Hochschule Köln und habe mich dazu entschlossen mein zweites Mastersemester, gemeinsam mit einem meiner besten Freunde, der ebenfalls an der RH studiert, an der Udayana University auf Bali zu verbringen. Definitiv eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Doch fangen wir vorne an.
Grundsätzlich stand für mich bereits früh fest, dass ich ein Auslandssemester während meines Studiums absolvieren möchte. Allerdings fehlten zu Beginn noch die Antworten auf die Fragen „wo?“ und „wann?“. Ein guter Freund von mir verbrachte sein Auslandssemester im WS2019 auf Bali an der Udayana University. Als er zurück in Deutschland war und mir ausführlich von seinen Erfahrungen berichtete, und ich mich anschließend erstmals ausführlicher mit dem Standort auseinandersetzte, stand zumindest schon einmal die Antwort auf die Frage „wo?“ grundlegend fest, da ich die asiatische Kultur schon immer einmal vor Ort erleben wollte. Also musste noch die Frage „wann?“ geklärt werden.
Über die folgenden Jahre von 2020 bis 2023 muss ich nicht groß reden, außer, dass ich eigentlich bereits während meines Bachelors gerne ins Ausland gegangen wäre. Als sich die Lage gegen Ende 2022 allmählich beruhigte, entstand endlich Hoffnung auf ein Auslandssemester ohne jegliche Einschränkungen. Also begannen wir mit der grundlegenden Planung für ein Auslandssemester im Wintersemester 23/24. Unser Ziel war es, die kalte Jahreszeit zumindest teilweise zu umgehen und die Monate September bis Dezember im sonnigen und tropischen Indonesien zu verbringen. Definitiv empfehlenswert.
Die ersten Schritte umfassten das Heraussuchen sämtlicher Bewerbungsfristen, die Entscheidung für eine geeignete Organisation und die Kontaktaufnahme mit dem Internationalen Büro der RH. Durch die Bearbeitung dieser Punkte sollten vorerst die wichtigsten Informationen vorhanden sein:
Grundsätzlich gibt es mehrere Organisationen, die ein Auslandssemester auf Bali anbieten. Ich habe mich für studiesNetwork entschieden, auch weil ebenjener Freund 2019 ebenfalls mit dieser Organisation dort war. Die digitale Bewerbung war super einfach und innerhalb von 10 Minuten erledigt. Anfang März habe ich meine Bewerbung bei studiesNetwork eingereicht. Nach meiner festen Zusage erhielt ich nach und nach weitere Informationen per E-Mail. Diese beinhalteten unter anderem die notwendige Überweisung der Studiengebühr in Höhe von ca. 2400€, welche zu 100% vom BAföG erstattet wird, das Beschaffen des Visums sowie weitere wichtige Informationen und Tipps, die die Planung erleichtern. Auch im März habe ich mich für das PROMOS-Stipendium der RH beworben. Alle benötigten Unterlagen wurden mir vom International Office per E-Mail zugeschickt. Die Bewerbung umfasste zudem ein „Learning Agreement“, das in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Studiengangleiter ausgefüllt werden musste. Dabei geht es um die Anerkennung der an der ausländischen Hochschule erworbenen Module. Diese waren im Bachelor deutlich zahlreicher als jetzt im Master. Dennoch konnte ich mir erfolgreich zwei von vier Modulen vollständig anerkennen lassen.
Der nächste Schritt war das Beantragen des Auslands-BAföG über das Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim. All dies erfolgte im März, und natürlich war dies mit einem großen organisatorischen Aufwand verbunden, aber es lohnt sich. Das BAföG-Amt gibt eine Bearbeitungszeit von 6 Monaten an. Dies hätte von März bis August genau gepasst.
Allerdings habe ich meine erste Rate erst nach achteinhalb Monaten erhalten. Also, frühzeitig beantragen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist ein Arztbesuch, um die benötigten Reiseimpfungen zu bekommen. Dafür sollte auch ein halbes Jahr eingeplant werden. Besonders wichtig ist es, vorab mit der jeweiligen Krankenversicherung abzuklären, inwiefern die Kosten für die Impfungen übernommen werden. Bei mir beliefen sich diese auf 1100€, welche zu 100% von der Krankenkasse übernommen wurden.
Circa 4 Monate vor dem Abflug haben wir die Flüge gebucht. Dabei haben wir uns für den Flughafen Amsterdam Schiphol entschieden, da dieser bis zu 250€ günstiger war als der naheliegende Flughafen in Frankfurt. Des Weiteren musste ich ein Urlaubssemester beim Prüfungsamt anmelden. Knapp einen Monat vor dem Abflug haben wir online unsere Unterkunft für die erste Woche in Canggu gebucht. Um einen allgemeinen Überblick über das Wichtigste zu erhalten, folgt nun nochmals stichpunktartig eine Übersicht der wichtigsten Punkte.
Einige Monate vor Abflug
● Kontaktaufnahme zum International Office der RH
● Bewerbung bei studiesNetwork
● Bewerbung auf PROMOS-Stipendium
● BAföG beantragen
● Reiseimpfungen
● Flüge buchen
● Urlaubssemester bei der RH anmelden
● Visum beantragen (läuft direkt über studiesNetwork)
● Kreditkarte und Reisepass beantragen (falls nicht schon erledigt)
● Auslandskrankenversicherung anmelden
● Auslandsführerschein beantragen
Kurz vor Abflug
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Wahl der richtigen Kleidung. Da auf Bali jeden Tag gefühlte 35 Grad und eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit herrschen, empfehle ich luftige und locker sitzende Kleidung. Kurze Jeanshosen oder dicke T-Shirts sind da teilweise schon etwas zu viel. Ich persönlich hatte zudem eine lange Jeans- und Jogginghose sowie einen Kapuzenpullover dabei. Die lange Sportkleidung war lediglich für die Vulkanaufstiege mitten in der Nacht notwendig, da es dort oben schon mal etwas frisch werden kann. Die lange Jeans wurde für offizielle Veranstaltungen der Universität benötigt. Zudem ist das Zusammenstellen einer Reiseapotheke essenziell. Jeder Student unserer Organisation hatte besonders in den ersten 2 bis 3 Wochen mehr oder weniger schlimm mit Magenverstimmungen zu kämpfen. Allerdings wissen die Apotheken vor Ort bestens, was dagegen hilft, da dieses „Problem“ bei europäischen Touristen bekannt ist. Am 28.07. ging dann endlich unser Flieger über Doha nach Denpasar, Bali.
Aufenthalt
Ankunft am Flughafen
Angekommen am Flughafen in Denpasar begann also unser Auslandssemester auf Bali. Die ersten Schritte vor Ort waren das Beschaffen einer Simkarte – hier ist Telkomsel sehr empfehlenswert – und das Umtauschen einer kleinen Menge Bargeld, beispielsweise für die erste Taxifahrt zur Unterkunft. Hier empfehle ich die App „Gojek“. Mit dieser kann entweder ein Roller oder ein Auto mit einem Fahrer gebucht werden. Sie funktioniert etwa wie Uber, ist jedoch um ein Vielfaches günstiger. Für eine 20-minütige Rollerfahrt müssen umgerechnet beispielsweise circa 1,50€ bezahlt werden. Ein kleiner Tipp: Lasst euch nicht von den unzähligen Rufen der Taxifahrer vor Ort verunsichern, diese verlangen oft zu viel Geld. Einmal angekommen, wird die Kreditkarte mit der Gojek-App verbunden und direkt über die App
bezahlt.
Wohnen
Angekommen in der Unterkunft bestand die erste Woche aus vielen Erkundungsaktivitäten sowie Strand- und Restaurantbesuchen. Ebenfalls stand die Wohnungssuche für einen längeren Aufenthalt auf dem Plan. Kontakte sind hier durchaus hilfreich. Anhand dieser haben wir dann ab der zweiten Woche eine Unterkunft in Jimbaran, Uluwatu gefunden, mit dem Auto circa 1 Stunde und 15 Minuten von Canggu entfernt. Dort befindet sich auch der Campus der Universität, etwa 10 Minuten von unserer Unterkunft entfernt. Für die erst Unterkunft, ein großes Guesthouse mit mehreren Bungalows und einem privaten Pool, haben wir 400€ pro Person pro Monat bezahlt. Die zweite Unterkunft, für die letzten zwei Monate, war eine eigene Villa mit großem Pool, einer Outdoor-Küche sowie einem Wohnzimmerbereich und zwei großen Schlafzimmern mit eigenem Bad. Dafür haben wir dann 550€ pro Person pro Monat gezahlt. So viel zum Thema Wohnen, weiter mit dem Studium.
Essen
Obwohl wir speziell in der zweiten Unterkunft eine große Küche hatten, haben wir diese schätzungsweise zehn Mal benutzt. Essen gehen ist vor Ort einfach viel zu günstig, um dies nicht zu nutzen. Es besteht die Möglichkeit, in ein lokales Warung zu gehen und dort einheimische Gerichte für 1-2€ zu essen. Alternativ kann man auch eines der unzähligen internationalen/europäischen Restaurants/Cafés aufsuchen und auch dort lediglich 4-10€ für eine komplette Mahlzeit bezahlen. Zu den sehr günstigen Preisen für Warung- und Restaurantbesuche kommt hinzu, dass Lebensmittel für bekannte Gerichte zum selbst Kochen in Supermärkten teilweise sehr teuer waren. Zudem macht Essen gehen mit mehreren Leuten ja auch viel mehr Spaß.
Verkehr
Um auf Bali am besten mobil zu sein, ist ein Roller essenziell, da es keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt. Die Roller können in der Regel direkt bei einer Unterkunft oder über einen separaten Händler gemietet werden. Wir haben unsere Roller direkt bei der Unterkunft für die ersten zwei Monate für jeweils 60€ pro Monat und die letzten zwei Monate für 48€ pro Monat gebucht. Hier ist Verhandeln von Vorteil. Der Großteil von uns hat sich dann noch zusätzlich einen sicheren Helm für circa 70-80€ gekauft. Der Verkehr wirkt auf den ersten Blick nämlich einfach nur verrückt. Verkehrsregeln gibt es nicht. Jeder fährt so, wie es ihm gefällt. Dennoch muss ich sagen, dass dieses Chaos funktioniert, da bei den Hauptverkehrsadern keine hohen Geschwindigkeiten gefahren werden und jeder etwas auf
den anderen Acht gibt.
Finanzen
Auf Bali gibt es, ähnlich wie in Deutschland, die Möglichkeit der Bar- und Kartenzahlung. Für Unterkünfte, Ausflüge und lokale Warungs wird in den meisten Fällen Bargeld benötigt. Die internationalen/europäischen Restaurants/Cafés oder Clubs bieten jedoch alle Kartenzahlung an. Auch kontaktloses Zahlen via ApplePay ist in den meisten Fällen möglich. Ansonsten empfehle ich, Bargeld nur bei richtigen Banken oder in gesicherten Anlagen abzuheben. Nicht wenigen von uns wurde die Kreditkarte in einem ATM eingezogen und nicht wieder ausgegeben. Die Unterstützung durch das PROMOS-Stipendium lief zudem einwandfrei und trug maßgeblich zu den schönen Aspekten dieser Zeit bei.
Studium
Das Programm von studiesNetwork begann zwei Wochen nach unserer Ankunft mit einem Willkommenstag am Strand, bei dem wir die Organisatoren und alle anderen Studenten kennenlernen konnten. Schließlich waren mit studiesNetwork 65 weitere Studenten aus Deutschland vor Ort, die wir vorab in verschiedenen Whatsappgruppen oder persönlich kennengelernt hatten. Die erste richtige Uni-Woche startete mit einem weiteren Willkommenstag auf dem Campus in Denpasar. Dort stellten sich die Universitätsleitung und der Studiengangsleiter vor, und wir erhielten die benötigten Unterlagen für unseren Universitätsalltag. Zudem erfolgte die Einteilung in „Empowerment Teams“, die für unterschiedliche Aktivitäten neben den Vorlesungen wie Sport, Charity, Coordination oder Guestlectures verantwortlich waren.
Die Universität fand jede Woche von Montag bis Mittwoch statt, und die Vorlesungszeiten variierten je nach Anzahl vorab gewählter Module. Jeden Donnerstag gab es zusätzlich eine kulturelle Exkursion. Freitag bis Sonntag blieb genug Zeit für Ausflüge und weiteres Freizeitprogramm. Für die Universitätsveranstaltungen herrschte eine Anwesenheitspflicht von 75% pro Veranstaltung. Jedes Modul hatte eine separate Whatsappgruppe mit dem jeweiligen
Dozenten, was die Kommunikation und Betreuung einfach und problemlos gestaltete. Unsere Vorlesungen fanden immer im gleichen Raum statt, der mit einem Beamer, einer Leinwand, einer Tafel und mehreren Klimaanlagen ausgestattet war, die aufgrund der Hitze definitiv notwendig waren.
In jedem Modul erhielten wir in der ersten Vorlesung eine Übersicht über die zu erbringenden Leistungen. Diese umfassten Case Studies, Projektarbeiten, Präsentationen oder Klausuren. Nach den ersten sieben Vorlesungswochen erfolgten erste „Mid-Tests“, bevor es dann in zwei Wochen Ferien ging. Danach folgten weitere sieben Wochen
Vorlesungen, die mit „Final-Tests“ abgeschlossen wurden. Die Dozenten waren stets bemüht, uns die Vorlesungsinhalte bestmöglich zu verinnerlichen. Sämtliche Noten und Bescheinigungen über die besuchten Module haben wir Anfang Februar 2024 per E-Mail erhalten.
Zu den gewählten Modulen kam ein verpflichtender Sprachkurs in Bahasa Indonesia. Alle Studierenden mussten dieses Modul belegen. Auch hier haben wir abschließend nach einem Sprachtest und einer Klausur ein Zertifikat über das Absolvieren des Kurses erhalten.
Freizeit
Das, was das Auslandssemester unvergessen macht, waren natürlich die Freizeitbeschäftigungen auf Bali und Umgebung. Die Vielfalt an Möglichkeiten ist nahezu grenzenlos. Die Zeit nach den Vorlesungen kann beispielsweise mit Strandbesuchen, Fitnessstudios, Paddle, Wellness, Essen gehen oder Erkundungstouren mit dem Roller verbracht werden. Die Wochenenden oder auch die zwei Wochen Semesterferien bieten die perfekte Gelegenheit für Kurztrips zu anderen Orten Balis. Hier standen Schnorcheln, das Besuchen von Nachbarinseln, das Abschließen von Tauchscheinen, mehrtägige Bootstouren, Vulkan- und Wasserfallbesichtigungen, Trips nach Ubud oder in den Norden Balis, oder auch das Aufsuchen von Beachclubs und Partys auf der Agenda. Durch die große Anzahl an Studierenden wurde es definitiv nie langweilig, und es stand immer etwas an. Daher belasse ich es jetzt auch lediglich bei der Aufzählung der Aktivitäten, sonst könnte ich jetzt mehrere Seiten nur über das Erlebte schreiben.
Sonstiges
Die meisten Menschen auf Bali sind Hindus, und religiöse Rituale und Feste spielen eine sehr große und wichtige Rolle in ihrem Leben, egal ob jung oder alt. Dies habe ich mehrfach miterlebt, da ich oft die Gelegenheit hatte, auf Reisen oder im Alltag mit einheimischen Menschen zu sprechen oder diese Feste selbst mitzuerleben. In regelmäßigen Abständen versammelt sich das gesamte Dorf zu Zeremonien, um das Gute zu feiern und gegen das Böse bzw. die Dämonen anzutreten. Jeder Einwohner lebt die Religion aus Überzeugung. Es gibt keine Verpflichtung, sondern es handelt sich um eine grundlegende Lebenshaltung. Täglich legen sie Opfergaben vor ihre Häuser, um den Göttern
für ihr Zuhause und ihre Familie zu danken. Ihr Glaube besagt, dass jedes Lebewesen, jede Pflanze und sogar jeder Gegenstand ein eigenes Leben und einen Geist besitzen. Diese Überzeugung hat mir gezeigt, die kleinen Freuden des Lebens weit mehr zu schätzen. Trotz der finanziellen Herausforderungen bewahren die Menschen stets eine positive Einstellung und schätzen das, was sie haben. Wenn ich darüber nachdenke, wie unzufrieden und teils schlecht gelaunt viele Menschen in Deutschland sind, bin ich froh, auch mal diese Seite der Welt kennengelernt zu haben. Denn
eigentlich geht es uns hier doch ziemlich gut. Immer wieder fiel mir der krasse Kontrast zwischen Arm und Reich auf. Die „reichen“ einheimischen Menschen leben vom stark ausgeprägten Tourismus und haben sich durch
verschiedene Angebote ein eigenes Business aufgebaut. Wir haben viele Einheimische kennengelernt, die durch das Geschäft mit dem Tourismus wirklich gut leben können. Grundsätzliche gesagt, gilt aber auch jeder Tourist oder Auswanderer auf Bali als „reich“.
Auf einer 4-tägigen Bootstour hatte ich ein Gespräch mit unserem Tourguide. Sein Name war
Mambo, und ich glaube, er war der glücklichste Mensch, den ich je kennengelernt habe. Seine Familie stammt aus Lombok, einer Nachbarinsel Balis. Er, ein Freund und seine Bootscrew waren für die komplette Planung einer 4-tägigen Bootstour von Labuan Bajo nach Lombok für 30 Touristen zuständig. Generell war dies eine der besten Aktivitäten der
gesamten Zeit. Ständig machte er Späße mit den Gästen, versprühte dauerhaft gute Laune, und sein Ziel war es, diesen Trip für jeden der Bootsgäste unvergesslich zu machen. Das hat er geschafft.
An einem Tag hatten ein Freund und ich ein längeres Gespräch mit Mambo über seine Kindheit und wie sich durch den Tourismus für ihn alles verändert hat. Er erzählte uns, dass seine Familie früher nicht genug Geld hatte, um ihn auf eine Schule schicken zu können. Zur Information: In Indonesien kostet die Schule 200.000 indonesische Rupiah pro Monat, das sind umgerechnet 12€. So ergeht es vielen Kindern in Indonesien. Auch die meisten Gojek-Fahrer stammen aus Lombok oder Java, einer weiteren Nachbarinsel von Bali. Sie nutzen den Tourismus, um günstige Rollerfahrten für Touristen anzubieten. Das verdiente Geld senden sie zurück zu ihren Familien und wohnen teilweise in einem winzigen 5m² Raum, um ihren Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen. Ein kleines Trinkgeld ist für diese Menschen daher essentiell, da es für sie teilweise die Welt bedeutet. Mambo ist durch den Einstieg in das Touristengeschäft mittlerweile in der Lage, seine Familie mit allem Wichtigen versorgen zu können. Der Weg dorthin war allerdings sehr langwierig.
Der viele Tourismus kurbelt nicht nur die Wirtschaft an, sondern beinhaltet auch große Schattenseiten. Ein Punkt ist beispielsweise, dass Bali keine richtige Müllentsorgung oder ein Pfandsystem besitzt. Der gesamte Müll landet in der Natur. Der meiste Müll wird nach Denpasar auf einen riesigen Müllberg transportiert, der über 30 Hektar groß ist. Durch die Lagerung des Mülls entstehen giftige Gase und Flüssigkeiten, die einerseits in die Atmosphäre und andererseits in die Flüsse und folglich in die Ozeane gelangen. Mehrere Einheimische haben uns mitgeteilt, dass dieser Müllberg „wie von Zauberhand“ circa alle 2-3 Jahre in Flammen steht. Dabei werden unzählige Tonnen CO2 produziert, und der Müllberg schrumpft wieder ein Stück. Das ist Balis Müllentsorgung. Generell sorgt der viele Tourismus für eine Überfüllung einiger „Instagram-Spots“. Speziell Touristenspots, bei denen Tiere involviert sind, wie Elefantenreiten oder Delfinschwimmen, sollten unbedingt gemieden werden. Viele Touristen machen dies für das perfekte Foto und kümmern sich nicht um das Wohl der Tiere. Den Einheimischen ist hier aufgrund der oben genannten Gründe kein Vorwurf zu machen, da diese es teilweise auch nicht besser wissen, aber den Touristen, die dies unterstützen. Es ist sowieso viel beeindruckender, einen Delfin oder Hai direkt beim Tauchen zu entdecken.
Da wir für mehrere Monate vor Ort waren und auch viel mit Einheimischen zu tun hatten, konnten wir diese Spots weitestgehend meiden, andere kleinere, aber mindestens genauso atemberaubende Locations aufsuchen und die Insel anders wahrnehmen als bei einem 3- wöchigen Urlaub. Dazu zählen die positiven, wie auch die negativen Dinge.
Alles in allem war mein Auslandssemester auf Bali die beste Zeit meines Lebens. Die vielen Aktivitäten, die Menschen, die wunderschöne Insel, die interkulturellen und persönlichen Weiterentwicklungen, aber auch die Schattenseiten trugen allesamt dazu bei. Besonders bei den Schattenseiten konnten wir in vier Monaten zumindest einen kleinen Beitrag dazu leisten, diese etwas zu verbessern, indem unsere Organisation durch die Eigenplanung der Studierenden soziale einheimische Projekte unterstützte. Dazu kamen die Rücksichtnahme und Wertschätzung dieses Landes, der Kultur, der Tiere und der Menschen, die ebenfalls dazu beiträgt, diesen Ort nicht im Tourismus versinken zu lassen.
Abschließend folgen noch ein paar Fotos meiner Erlebnissen vor Ort.
Fazit
Mein Auslandssemester hat mich besonders persönlich weiterentwickelt, und ich bin sehr froh, mich für Bali entschieden zu haben. Dadurch konnte ich die indonesische Kultur, die Menschen und die Natur vollständig kennenlernen. Die Kultur ist schlichtweg eine komplett andere als in Deutschland.
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Unsere Mitarbeiter:innen aus dem International Office helfen Dir gerne weiter.
International Office
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