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Italien, Neapel - Erfahrungsbericht zum Auslandssemester

„Der größte persönliche Gewinn waren für mich die internationalen Freundschaften und der intensive Austausch mit Studierenden aus vielen verschiedenen Ländern. Dadurch habe ich nicht nur spannende neue Perspektiven kennengelernt, sondern auch Erfahrungen gesammelt, die weit über das Studium hinausgehen.

Ich durfte mein Auslandssemester im Rahmen von Erasmus+ und des Swiss European Mobility Programme von Anfang September 2025 bis Mitte Februar 2026 an der Università degli Studi di Napoli Federico II in Neapel absolvieren. An der Rheinischen Hochschule studiere ich im 4. Semester des Masterstudiengangs Technical Management mit dem Schwerpunkt Vertriebs- und Innovationsmanagement.

Vorbereitung

Bei der Auswahl des Ziellandes hat mich Italien, insbesondere Neapel, am meisten angesprochen. Unter den von der RH angebotenen Partnerhochschulen war Neapel aufgrund seines Rufs, seiner Kultur und seines besonderen Stadtbilds, die Stadt, die mich am stärksten interessiert hat. Italien kannte ich zwar bereits als Urlaubsziel, jedoch wollte ich das Leben und Studieren vor Ort über einen längeren Zeitraum erleben, um den Alltag wirklich kennenzulernen und tiefer in die Kultur einzutauchen. Zudem sah ich es als spannende Herausforderung, mehrere Monate im Ausland zu leben und mich bewusst auf neue Perspektiven, Gewohnheiten und Denkweisen einzulassen. Gleichzeitig erhoffte ich mir eine Erweiterung meines akademischen Horizonts, eine Vertiefung meiner Englischkenntnisse und wertvolle Erfahrungen in der interkulturellen Kommunikation. Ergänzend dazu hatte ich mir vorgenommen, vor Ort einen Italienischkurs zu belegen, um mich sprachlich im Alltag besser zurechtzufinden. Die Entscheidung für die Università degli Studi di Napoli Federico II fiel zudem leicht, da sie nicht nur als eine der ältesten Universitäten Europas gilt, sondern im Rahmen des RH-Angebots auch die zentrale Option für Neapel darstellte. Damit passte sie sowohl fachlich als auch persönlich am besten zu meinen Vorstellungen.


Die organisatorischen Vorbereitungen begannen frühzeitig: Bereits Ende Januar/Anfang Februar 2025 reichte ich beim International Office der RH meine Bewerbung ein, die unter anderem ein Motivationsschreiben, einen Bewerbungsbogen und eine Kursübersicht umfasste. Ende Februar erhielt ich die Zusage der RH und kurz darauf die Nominierung durch die Gasthochschule. Mitte April folgte die Zusage aus Neapel inklusive der Bitte, mich im System der Universität zu registrieren und anschließend das Learning Agreement vorzubereiten. Insgesamt verlief der Prozess sehr strukturiert und planbar. Besonders hilfreich war, dass ein guter Freund der sein Auslandssemester bereits ein Semester vor mir absolviert hatte und mir viele praktische Fragen beantworten konnte. Zusätzlich stand das International Office der RH jederzeit unterstützend zur Verfügung und reagierte auf Rückfragen schnell und zuverlässig. Dadurch war das Einreichen der Dokumente insgesamt mit wenig Stress verbunden. Etwas anspruchsvoller wurde es bei der Erstellung des Learning Agreements. Der Grund dafür war weniger die Kommunikation, sondern eher die Kursrecherche an der Gasthochschule: Die Kursauswahl war teilweise nicht sofort übersichtlich auffindbar und die Abläufe unterscheiden sich je nach Hochschule deutlich. Mit etwas Zeit und Abstimmung ließ sich aber auch dieser Schritt gut bewältigen. Zu den wichtigsten „Must-dos“ gehörten deshalb (1) 
die Erstellung des Learning Agreements und dessen Abstimmung mit den zuständigen Ansprechpersonen an der RH und an der Gasthochschule sowie (2) die Registrierung an der Gasthochschule, für die eine Anleitung per E-Mail bereitgestellt wurde. Die sprachliche Vorbereitung war ein großer Pluspunkt: Ich habe den von der Hochschule empfohlenen Italienisch-Sprachkurs besucht, der bereits im September begonnen hat. Dieser Kurs war für mich extrem hilfreich - nicht nur, um schnell Fortschritte in der Sprache zu machen, sondern auch, um früh Kontakte zu knüpfen. Gerade weil dort viele Erasmus-Studierende verschiedener Hochschulen zusammenkamen, ergab sich schnell ein gutes Netzwerk. Rückblickend würde ich diesen Kurs jedem wirklich empfehlen.


Auch die praktische Vorbereitung verlief insgesamt reibungslos, insbesondere bei der Unterkunft. Da wir als Gruppe von RH-Studierenden nach Neapel gereist sind, konnten wir gemeinsam suchen. Zusätzlich hatten wir Glück: Über einen Bekannten erhielten wir die Kontaktdaten eines Airbnb-Besitzers in Neapel und konnten direkt mit ihm kommunizieren. Dadurch verlief die Wohnungssuche unkompliziert. Dennoch würde ich empfehlen, frühzeitig mit ESN Napoli (Erasmus Student Network) Kontakt aufzunehmen und den relevanten WhatsApp-Gruppen beizutreten. Dort werden häufig Wohnungen geteilt und es ist eher sicher, dass es sich um seriöse Angebote handelt. In Neapel habe ich mehrfach mitbekommen, dass Personen über typische Online-Portale an unseriöse Vermieter gelangt sind. Daher lohnt es sich, bei Inseraten besonders vorsichtig zu sein und nichts vorschnell zu bezahlen.


Vor der Abreise habe ich außerdem einige organisatorische Punkte frühzeitig erledigt: Ich habe den Flug rechtzeitig gebucht, geprüft, ob ich mit meiner Kreditkarte auch im Ausland problemlos Geld abheben kann, und Kontakt mit meiner Krankenkasse aufgenommen, um eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen. Eine neue SIM-Karte war für mich nicht notwendig, da mein bestehender Tarif in der EU ausreichte.


Aus finanzieller Sicht ist es wichtig zu wissen, dass mir die Erasmus-Förderung alleine für Neapel nicht ausgereicht hätte, insbesondere aufgrund der Mietpreise (je nach Lage und Wohnform ca. 350–650 €). Ich habe während meines Auslandssemesters einen Remotejob ausgeübt, um mir die Zeit vor Ort besser finanzieren zu können. Zwar sind die allgemeinen Lebenshaltungskosten in Neapel in Teilen etwas geringer als in Deutschland, allerdings entstehen durch viele Ausflüge, auswärts Essen und häufige Aktivitäten schnell zusätzliche Ausgaben. Deshalb lohnt es sich, schon vor Beginn des Semesters etwas Geld zurückzulegen, um den Aufenthalt wirklich genießen zu können.

Aufenthalt

Der Studienalltag an der Università degli Studi di Napoli Federico II unterschied sich in einigen Punkten von dem an der RH, war insgesamt aber gut zu bewältigen. Die von uns besuchten Veranstaltungen fanden auf Englisch statt. Rückblickend ist es jedoch wichtig, vorab genau zu prüfen, ob ein Kurs tatsächlich in der angegebenen Sprache angeboten wird, da dies nicht immer eindeutig ist. Inhaltlich und vom Arbeitsaufwand her war das Niveau mit dem der RH vergleichbar, teilweise sogar etwas leichter. Der Lehrstil war dabei eher klassisch, und die zu erbringenden Leistungen bestanden vor allem aus Papers sowie mündlichen Prüfungen, weniger aus typischen Klausuren.

Wir wohnten in der Altstadt, also sehr zentral, allerdings auch in einer Gegend, die insgesamt relativ laut war. Deshalb würde ich empfehlen, sich vorab gut zu informieren, in welchem Stadtteil man eine Wohnung anmietet und welche Vor- und Nachteile die jeweilige Lage hat. Die Gegend rund um den Hauptbahnhof würde ich persönlich eher meiden, da ich sie als weniger angenehm empfunden habe. Aufgrund der zentralen Lage haben wir uns im Alltag meistens zu Fuß fortbewegt. Supermärkte, Restaurants, Sportmöglichkeiten und viele andere Orte des täglichen Lebens waren schnell erreichbar, was den Alltag deutlich erleichtert hat.
Insgesamt waren die Lebenshaltungskosten in Neapel aus meiner Sicht etwas günstiger als in Deutschland, vor allem, wenn man essen oder etwas trinken ging. Gleichzeitig gab es aber auch Bereiche, die ich als weniger positiv empfunden habe. So waren Fitnessstudios häufig teurer und das Angebot insgesamt eher schwächer. Auch die Supermärkte waren nicht so günstig wie erwartet, sondern preislich eher mit Deutschland vergleichbar.
In Bezug auf das Thema Sicherheit würde ich vor allem abends empfehlen, sich möglichst nicht rund um den Hauptbahnhof aufzuhalten und idealerweise nicht allein, sondern zu zweit oder in Gruppen unterwegs zu sein. Neapel ist nicht grundsätzlich gefährlich, dennoch empfiehlt es sich, aufmerksam zu bleiben und bestimmte Bereiche zu meiden.
Soziale Kontakte haben sich vor allem über ESN-Aktivitäten und gemeinsame Ausflüge, aber auch über die Universität ergeben. Gerade zu Beginn würde ich empfehlen, möglichst viele der angebotenen Aktivitäten mitzunehmen, da man dort am schnellsten Anschluss findet und ein Netzwerk aufbauen kann.

Nachbereitung

Die Nachbereitung nach meiner Rückkehr verlief insgesamt unkompliziert. Wichtig ist, dass man sich rechtzeitig alle notwendigen Dokumente von der Gasthochschule ausstellen lässt, insbesondere das unterschriebene Transcript of Records und die Confirmation of Stay. Es lohnt sich, die Angaben direkt vor Ort sorgfältig zu kontrollieren, vor allem die 
Datumsangaben. In meinem Fall war zunächst ein Fehler enthalten, der zwar im Nachhinein lösbar war, aber umständlicher korrigiert werden musste. Die Anerkennung der ECTS-Punkte an der RH hat anschließend weitgehend gut funktioniert. Durch den direkten Austausch mit dem Prüfungsamt konnten offene Fragen schnell geklärt und alle erforderlichen Unterlagen zügig eingereicht werden. Nach dem Aufenthalt mussten mehrere Nachweise abgegeben werden, darunter dieser Erfahrungsbericht, das Transcript of Records, das unterschriebene Learning Agreement, die Confirmation of Stay, die Erasmus-Umfrage, eine Studienbescheinigung und eine Notenumrechnungstabelle.

Nach dem Auslandssemester musste ich organisatorisch selbst nicht mehr viel erledigen. Der Mietvertrag war von Beginn an zeitlich befristet, sodass keine Kündigung notwendig war. Auch hinsichtlich der Uni-Accounts war keine aktive Abmeldung erforderlich. Finanziell lief es ebenfalls klar strukturiert: Nach Rücksprache mit dem International Office der RH erhält man in der Regel den restlichen Teil der Erasmusförderung, sobald alle notwendigen oben 
genannten Dokumente vollständig eingereicht wurden (inklusive dieses Berichts).

Rückblickend habe ich aus dem Auslandssemester fachlich weniger mitgenommen als aus früheren Studienphasen, da es sich um mein letztes Mastersemester handelte und ich die zentralen Inhalte meines Studiums bereits weitgehend abgeschlossen hatte. Auf persönlicher Ebene war der Gewinn jedoch sehr groß: Das Leben in einem fremden Land bringt im Alltag ständig neue Situationen mit sich, die man eigenständig lösen muss. Es sind keine dramatischen Herausforderungen, aber genau diese kleinen Aufgaben sorgen dafür, dass man deutlich selbstständiger, flexibler und souveräner wird. Besonders prägend war auch der Austausch mit internationalen Studierenden. Durch Freundschaften, Gespräche und gemeinsame Erlebnisse lernt man enorm viel über andere Kulturen, Sichtweisen und Werte. Das hat mir nicht nur persönlich viel gegeben, sondern auch mein Verständnis dafür erweitert, wie unterschiedlich Menschen Themen bewerten, Entscheidungen treffen und miteinander kommunizieren. Diese Perspektive ist für internationale Kontexte (privat wie beruflich) sehr wertvoll. Sprachlich hat mir der Aufenthalt ebenfalls stark geholfen. Zwar konnte ich mein Italienisch von „null“ aus deutlich verbessern, vor allem im Alltag. Besonders spürbar war jedoch der Fortschritt im Englischen, das ich durch den täglichen Gebrauch, längere 
Gespräche, Diskussionen und Präsentationen deutlich verbessern konnte.

Zukünftigen Studierenden, die nach Neapel gehen möchten, würde ich besonders folgende Tipps mitgeben: Es lohnt sich, frühzeitig mit ESN Napoli in Kontakt zu treten, beispielsweise über Instagram, und WhatsApp-Gruppen beizutreten. So erhält man schnell Informationen und Kontakte, auch für die Wohnungssuche, die idealerweise über seriöse Netzwerke wie ESN läuft. Gerade am Anfang sollte man möglichst viele Ausflüge und Aktivitäten mitmachen, da man so am schnellsten Anschluss findet und später leichter eigene Trips mit Freunden organisieren kann. Beim Wohnen würde ich Viertel empfehlen, die touristischer und belebter sind, da sich dort meist ein höheres Sicherheitsgefühl einstellt. Und ganz grundsätzlich sollte man sich von Neapel zu Beginn nicht überwältigen lassen: Die Stadt ist extrem lebendig, in vielen Punkten nicht mit deutschen Städten vergleichbar, hat aber unglaublich viel Charakter und sehr unterschiedliche Seiten, die man mit der Zeit immer mehr zu schätzen lernt.

Fazit 

Rückblickend war mein Auslandssemester in Neapel sehr gelungen. Ich würde es jederzeit wieder machen und kann es insgesamt klar weiterempfehlen. Auch Italien als Land war für mich, vor allem aufgrund der Kultur, des Essens und der Lebensweise genau die richtige Wahl.


Der größte persönliche Gewinn waren für mich die internationalen Freundschaften und der intensive Austausch mit Studierenden aus vielen verschiedenen Ländern. Dadurch habe ich nicht nur spannende neue Perspektiven kennengelernt, sondern auch Erfahrungen gesammelt, die weit über das Studium hinausgehen. Eine der größten Herausforderungen war es, einen geregelten Rhythmus zu finden und nicht dauerhaft so zu leben, als wäre das Semester Urlaub. Gerade weil das Wetter gut ist und viele am Anfang motiviert sind, ständig etwas zu unternehmen und Neues zu erleben, wird man leicht dazu verleitet, Alltag und Uni weniger konsequent zu strukturieren. Mit der Zeit habe ich jedoch gelernt, bewusster zu planen und Freizeit und Studium besser auszubalancieren.

Zu meinen persönlichen Höhepunkten zählten vor allem ein gemeinsamer Roadtrip mit Mietwagen an die Amalfiküste, das Nacht- und Barleben in Neapel (besonders im Spätsommer) sowie ein Restaurant, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist: die Trattoria de Sole. Es ist kaum touristisch geprägt und wird hauptsächlich von Einheimischen besucht. Dort habe ich außergewöhnlich gut gegessen.

Du hast noch Fragen?

Unsere Mitarbeiter:innen aus dem International Office helfen Dir gerne weiter.

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