„Kulturell hat mich Italien in einigen Punkten überrascht. Das Leben läuft langsamer (...). Das war anfangs ungewohnt, hat mich aber gelehrt, gelassener mit Ungewissheiten umzugehen.“
Vorbereitung
Die Entscheidung, ein Auslandssemester zu absolvieren, traf ich etwa ein Jahr vor meiner Abreise und es war eine der besten, die ich während meines Studiums getroffen habe. Als Student an der Rheinischen Hochschule Köln war ich auf der Suche nach einer Partnerhochschule, die sowohl fachlich als auch kulturell etwas Besonderes bietet. Florenz hat mich dabei überzeugt, das wirtschaftliche Studienangebot auf Englisch, die internationale Atmosphäre und natürlich die Tatsache, dass man in einer der faszinierendsten Städte der Welt studiert.
Der Bewerbungsprozess lief über das International Office der RH Köln, das bei Fragen jederzeit ansprechbar war. Eingereicht werden mussten unter anderem ein Motivationsschreiben, etc.. Da zwischen der RH Köln und der Gasthochschule ein wirtschaftlichswissenschaftliches Abkommen besteht, belegte ich ausschließlich wirtschaftsbezogene Module, die Auswahl innerhalb dieses Rahmens war ausreichend. Da die Lehrveranstaltungen an der Gasthochschule auf Englisch stattfinden, habe ich auf separate Italienischkurse verzichtet. Im Alltag wäre etwas Italienisch hilfreich gewesen, ich kam aber auch gut ohne aus, da Florenz auch eine touristische Stadt ist, kommt man mit Englisch weit.
Organisatorisch sollte man Themen wie Auslandskrankenversicherung, Anreise und Unterkunft frühzeitig angehen. Ich habe einiges davon etwas zu knapp vor der Abreise erledigt, was unnötigen Stress verursacht hat. Besonders bei der Wohnungssuche sollte man vorsichtig sein, denn ich habe von Kommilitonen gehört, die auf unseriöse Angebote hereinfielen und Geld verloren. Am besten nur über empfohlene Plattformen suchen und niemals Geld im Voraus überweisen, ohne die Unterkunft gesehen zu haben.
Aufenthalt
Studium
Das Studium an der Gasthochschule unterschied sich spürbar vom Studienalltag in Köln. Während man in Deutschland oft auf große Klausuren am Semesterende setzt, war der Leistungsnachweis in Florenz deutlich kontinuierlicher, wie zum Beispiel Gruppenarbeiten, Präsentationen und regelmäßige Hausaufgaben über das gesamte Semester. Das klingt aufwendiger, hat aber den
Vorteil, dass man den Stoff wirklich verarbeitet und sich nicht alles auf die letzten Wochen vor der Prüfung verschiebt. Besonders bereichernd war die Arbeit in Gruppenarbeiten, denn in einer Gruppe saßen oft Studierende aus verschiedenen Ländern, unterschiedliche Herangehensweisen, andere Problemlösungsstrategien und spannende Diskussionen waren garantiert. Die Dozenten waren engagiert, offen für Fragen und auch bei organisatorischen Anliegen unkompliziert erreichbar. Die Gasthochschule bot zudem eine Orientierungsveranstaltung zu Beginn des Semesters an, die einen guten Überblick über Abläufe, Ansprechpartner und das Kursangebot gab
Alltag, Integration & Freizeit
Der Alltag in Florenz ist einfach toll. Die Stadt ist überschaubar. Sie bietet 2 Tramlinien, mit denen man die ganze Stadt erreichen kann. Auch fußläufig gut erreichbar und zudem gibt es auch viele Bike Sharing Angebote, die ich besonders empfehlen kann. Die Stadt bietet viel Geschichte, Kultur und Leben. Besonders schön war der Dom und der Piazzale Michelangelo bei Sonnenuntergang. Die Integration unter Studierenden fiel mir leicht. Durch das internationale Erasmus-Netzwerk lernt man schnell andere Austauschstudierende kennen, ob über gemeinsame Kurse, organisierte Ausflüge oder spontane Abende. Sportlich war ebenfalls einiges geboten: Fitnessstudios, Hochschulangebote und eigenständig organisierte Aktivitäten sorgten für Ausgleich zum Studienalltag.
Auch das Wetter im Wintersemester war deutlich angenehmer als in Deutschland. Noch im Oktober war ein Ausflug ans Meer möglich mit Sonne, angenehmen Temperaturen und einem Gefühl, das man sich in Köln im Herbst nur schwer vorstellen kann.
Lage & Reisen
Die zentrale Lage Florenz innerhalb Italiens ist ein riesiger Pluspunkt. Rom, Mailand, Venedig, Pisa, all das ist per Zug bequem und günstig erreichbar. Ich habe diese Zeit intensiv genutzt und neben Florenz viele weitere Städte und Regionen Italiens erkundet kulturell, kulinarisch und landschaftlich jedes Mal ein Erlebnis. Wer ein Auslandssemester macht, sollte diese Möglichkeiten unbedingt wahrnehmen.
Lebenshaltungskosten
Florenz ist teurer als viele andere Städte. Das war mir am Anfang nicht so bewusst. Mieten sind hoch, Restaurants auch. Realistisch gesehen habe ich mehr ausgegeben als ursprünglich geplant, vor allem durch Reisen, Freizeitaktivitäten und Auswärtsessen. Auf mein geplantes Budget mit Puffer kam noch 10–20 % dazu. Wer beim Einkaufen auf Märkten und günstigere Lokale abseits der touristischen Hauptachsen setzt, kommt deutlich besser durch. Das Erasmus-Stipendium hilft, deckt die Mehrkosten aber nicht vollständig.
Nachbereitung
Nach dem Semester folgten die üblichen formalen Schritte. Das Transcript of Records wurde von der Gasthochschule ausgestellt und die Leistungen an der RH Köln anerkannt. Ich habe persönlich sehr viel mitgenommen wie zum Beispiel, dass meine Englischkenntnisse sich durch den täglichen akademischen und privaten Gebrauch spürbar verbessert haben. Interkulturelle Kompetenz auch, wenn man ein Semester lang täglich mit Menschen aus ganz Europa und der Welt zusammenarbeitet, wächst man da wirklich rein. Man lernt sich schnell anzupassen und offen auf
andere Kulturen zuzugehen.
Kulturell hat mich Italien in einigen Punkten überrascht. Das Leben läuft langsamer, informeller und bürokratische Abläufe können sich hinziehen und manchmal weniger klar strukturiert wirken. Das war anfangs ungewohnt, hat mich aber gelehrt, gelassener mit Ungewissheiten umzugehen.
Fazit
Mein Auslandssemester in Florenz war eine der prägendsten Erfahrungen meines bisherigen Studiums. Die Kombination aus einem international ausgerichteten Studienumfeld, einer der schönsten Städte Europas, einem starken sozialen Netzwerk und unzähligen Möglichkeiten zum Reisen und Entdecken, das lässt sich nicht wiederholen. Ich kann jedem Studenten der RH Köln nur empfehlen, diese Chance zu nutzen. Die anfängliche Hürde der Organisation ist überschaubar, der Mehrwert enorm.
Du hast noch Fragen?
Unsere Mitarbeiter:innen aus dem International Office helfen Dir gerne weiter.
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