Internationales: Berichte

Spanien, Valencia - Erfahrungsbericht zum Auslandssemester

Geschrieben von Rheinische Hochschule Köln | 24.09.26, 08:05

„Das soziale Leben ist dort so großartig, vor allem weil das Freizeitangebot so breit aufgestellt und der kulturelle Aspekt dort von großer Bedeutung ist. Das in Kombination mit dem stetig gutem Wetter macht das Leben dort so sorgenfrei und angenehm.

Vorbereitung

Im sechsten Semester meines Studiums im Bereich Nachhaltigkeitsmanagement habe ich mein zweites Auslandssemester in Valencia gemacht, nachdem ich im dritten Semester bereits in Australien war. Für mich waren beide herausragende Erfahrungen und der erste Auslandsaufenthalt war auch der Grund für die Entscheidung, ein weiteres machen zu wollen. Wie sagt man immer so schön: vor dem Vergnügen kommt die Arbeit. Damit möchte ich eigentlich nur sagen, dass die organisatorische Vorbereitung auf ein Auslandssemester häufig etwas intransparent und kompliziert sein kann. Das hat aber nur damit zu tun, dass man sich selbstständig mit einem unbekannten Bewerbungsprozess auseinandersetzen muss. Die benötigten Dokumente zur Anmeldung (unterschriebenes Learning Agreement, ein Motivationsschreiben, der Nachweis einer Auslandskrankenversicherung und einer Immatrikulationsbescheinigung oder, nach eigener Entscheidung, eine Beurlaubung/Beantragung eines Top-Ups etc.) werden einem vom International Office mitgeteilt, doch um diese muss man sich selbst kümmern. Diese Nachweise zu erhalten ist nicht einmal problematisch, sondern es handelt sich eher um die Menge, die sich als etwas aufwendig gestalten kann und diese fristgemäß einzureichen. Letztendlich ist aber alles noch überschaubar und man kann sich bei Fragen immer an das International Office wenden. Mein Tipp hierbei wäre nur, sich frühzeitig um alles zu kümmern, vor allem um das Learning Agreement, damit man vorzeitig weiß, welche Kurse man sich anrechnen lassen möchte und kann. Damit du sicher sein kannst, dass die Kurse, die du im Ausland absolvieren möchtest, inhaltlich mit denen deiner Home-University übereinstimmen, solltest du dir rechtzeitig die Modulhandbücher auf der Website durchschauen und mit deinen regulären Kursen abgleichen sowie durch deinen Studiengangsleiter absegnen lassen. Für einen erfolgreichen Abschluss musst du in Valencia mindestens 15 Credits erhalten. Das bedeutete bei mir: mindestens drei Kurse zu bestehen. Du kannst auch mehr machen, aber ich hatte im sechsten Semester optimalerweise nur noch drei Kurse übrig. 


Ein weiterer GANZ wichtiger Punkt: bewerbe dich so früh wie möglich in der offiziellen Bewerbungsphase für die Kurse im Portal der Universität in Valencia. Nachdem du deinen Account freigeschaltet bekommen hast, gibt es im Juli eine 
Woche, in der du die Möglichkeit hast, dich bei deinen Wunschkursen zu bewerben: da es nur limitierte Plätze gibt, solltest du dich bereits Montag/Dienstag eintragen. Ansonsten hast du keine Garantie die Kurse zu bekommen, die du absolvieren musst und tu dir bitte nicht den Stress an, den ich hatte, um in den ersten zwei Wochen des Studienanfangs immer wieder zum auswertigen Amt an der Uni in Valencia zu rennen, um noch meine benötigten Kurse zu erhalten. So viel erstmal zur Planung. 

Aufenthalt

Wenn das erstmal erledigt ist, kannst du dich auf deinen Aufenthalt freuen. Ich habe in einer zweier WG in der Altstadt gewohnt. Diese ist das Zentrum und wirklich wunderschön: mit ganz viel alter Architektur, Restaurants, Cafés, Natur usw. Ich habe mich in diesem Stadtteil sehr wohl gefühlt, auch wenn es etwas weiter entfernt von meiner Uni, dem Strand und den Unterkünften meiner Freunde war. Das hat aber auch wiederum zu viel Abwechslung geführt, was ich gut fand. Die Wohnung selbst habe ich glücklicherweise über einen Kontakt erhalten, der noch ein Zimmer frei hatte. Viele meiner Freunde haben WGs mit mindestens fünf Personen gelebt, welche sie, glaube ich, über Wohnportale gefunden haben. 


An der Uni selbst hatte ich alle Kurse auf Englisch, man kann aber auch spanische oder sogar ein paar französische Kurse belegen. Viele meiner Freunde haben einen spanischen Sprachkurs neben der Uni belegt, ich habe (ironischerweise) einen auf französisch gemacht, da ich meinen Master in Frankreich machen möchte. Das Konzept der Uni ist so aufgebaut, dass man zweimal pro Woche Vorlesung im jeweiligen Kurs hat: die eine Sitzung ist Theorie, die andere Praxis, zu der man erscheinen muss. Das bedeutet, dass es bei den theoretischen Kursen keine Anwesenheitspflicht gab und hauptsächlich klausurrelevante Inhalte der Skripte besprochen wurden, während in praktischen Kursen das in den theoretischen Kursen angeeignete Wissen reflektiert und in Aufgabenstellungen angewandt wurde. Das können kurze Umfragen, Aufsätze, Projektarbeiten etc sein, die man am Ende abgeben muss und welche bewertet werden und in die Endnote miteinfließen. In zwei meiner Fächer mussten wir in Gruppen Projektarbeiten vorbereiten sowie präsentieren und am Ende des Semesters eine Klausur schreiben. Ich würde sagen, 
man hatte sehr viel Freiheit, aber das kann ich denke ich mal auch nur behaupten, da ich nur drei Kurse absolvieren musste. 


Was ich sehr gut fand an der Uni, war, dass diese gut mit Bus, Bahn und Fahrrad erreichbar war, es mehrere Mensen mit breitem Angebot und günstigen Preisen gab und man sich in den Bibliotheken ausreichend auf die Klausuren vorbereiten konnte. Im Januar saßen wir dann teilweise dort zu zehnt, haben zusammen gelernt und Mittagspause gemacht. Zudem gibt es neben den Sprachkursen ein vielfältiges Sportangebot an der Uni. Ich z.B. habe Yoga gemacht und bin außerhalb noch ins Gym (Basic-Fit) und im Park laufen gegangen. Was mich besonders begeistert hat in Valencia ist der grüne Daumen und die dortige Infrastruktur. Durch die Stadt zieht sich ein Kilometerlanger Grüngürtel, in dem man super laufen gehen kann. 


Und damit komme ich auch schon zur Lebensqualität in Valencia und an der kann man wirklich nichts aussetzen. Das Leben dort war genau das, was ich mir unter dem perfekten Studentenleben vorstelle. Unter der Woche gehst du zur Uni, machst deinen Sport und triffst dich nebenbei tagtäglich mit deinen Freunden, um in den zahlreichen Cafés Kaffee trinken und brunchen zu gehen, Flohmärkte zu besuchen, auf Hausparties, in Clubs und Bars zu gehen (bei denen es über das Erasmus-Programm sogar Preisermäßigungen gibt), im Sommer an den Strand und in die Parks zu gehen, in den Shoppingstraßen zu shoppen und so weiter. Ich kann gar nicht mehr mitzählen, wie oft wir mit unserer Freundesgruppe im Saint-Jaume in der Altstadt saßen, um Aqua de Valencia zu trinken. Das soziale Leben ist dort so großartig, vor allem weil das Freizeitangebot so breit aufgestellt und der kulturelle Aspekt dort von großer Bedeutung ist. Das in Kombination mit dem stetig guten Wetter macht das Leben dort so sorgenfrei und angenehm. Die Fahrradwege und das Straßensystem sind ausgebaut, es wird auf Sauberkeit geachtet, die Parks werden ausreichend gepflegt und vor allem die Innenstadt ist sehr ästhetisch mit Brunnen, Kathedralen, riesigen Bäumen und altmodischen Gebäuden. Zudem ist vieles sehr preisgünstig und man kann von Valencia aus sehr gute Ausflüge machen, wie z.B. nach Madrid und Ibiza. Dort haben wir jeweils einen Wochenendtrip gemacht. Der Ausgleich zwischen Uni und Freizeit war wirklich perfekt, ich hatte sehr viel Spaß.

Nachbereitung

Ich würde sagen die Nachbereitung ist weniger aufwendig als die Vorbereitung. Du musst nur sicherstellen, dass deine Universität zuhause die notwendigen Dokumente bekommt, damit deine Kurse angerechnet werden und du die restliche Summe des Erasmus-Geldes erhältst. Dazu solltest du einen Erfahrungsbericht, deinen Letter of Attendance, das Transcript of Records und dein finales LA mit allen drei Unterschriften einreichen. Das einzige, was sich hier manchmal als herausfordernd herausstellen kann, ist zu wissen, durch welchen Ansprechpartner oder wo im Portal man die Dokumente erhält. 

Fazit 

Insgesamt war das Auslandssemester ein voller Erfolg und ich kann es, wie Australien, nur jedem weiterempfehlen. Man trifft so viele neue tolle Leute, baut langfristige Freundschaften auf, pflegt Kontakte in verschiedenste Länder, was 
wiederum neue Jobmöglichkeiten bringt und erweitert seinen persönlichen, professionellen, sprachlichen und kulturellen Horizont. Ich bedanke mich sehr für diese Möglichkeit und würde behaupten, dass ich vor allem auf persönlicher Ebene auch viel mehr dazu gelernt habe. Sich zu organisieren, an neue Umgebungen anzupassen, weniger Angst zu haben sich mit unbekannten Dingen zu konfrontieren etc. Ich schätze die Möglichkeit, zwei Auslandssemester machen zu dürfen, so sehr. 
Nun liegt es an dir :)