„Meiner Meinung nach ist das Leben in Madrid wirklich lebenswert, fast täglich scheint die Sonne, abends gibt es die schönsten Sonnenuntergänge und die gesamte Stadt mit ihren Altbauten und den kleinen Balkonen gibt einem täglich das Gefühl man sei im Urlaub.“
Dass ich mein Auslandssemester in Spanien machen möchte, war für mich schnell klar. Ich hatte Spanisch bereits mehrere Jahre in der Schule und es war ein großes Ziel von mir die Sprache richtig zu lernen. Da ich BWL studiere, hatte ich zwei Möglichkeiten, um an Partneruniversitäten der RH in Spanien zu studieren: Die Universidad Antonio de Nebrija in Madrid und die Universitat de València. Ich habe mich für Madrid entschieden, da ich gelesen habe, dass in Valencia mehr Valencianisch als klassisches Spanisch gesprochen wird und ich wie gesagt das Ziel hatte Spanisch richtig zu lernen. Nachdem diese Entscheidung gefallen ist, ging alles relativ schnell. Ich habe meine Unterlagen dem International Office zukommen lassen, die Zusage für mein Auslandssemester in Madrid erhalten und wurde nach und nach durch die ganzen fälligen Dokumente geführt. Um mein Spanisch vor dem Auslandssemester nochmal aufzufrischen, habe ich mir Babble runtergeladen, es gibt aber auch ein Online Learning welches von Erasmus angeboten wird. Und dann ging es auch schon los.
Studium
Da ich mein Auslandssemester im 5. Semester gemacht habe, hatte ich einige Schwierigkeiten Kurse zum Anrechnen zu finden. Vor allem zu meinen Schwerpunktfächern habe ich leider kein Äquivalent in Spanien gefunden. Meine Empfehlung daher, insofern man kein Semester länger studieren möchte, entweder: frühzeitig informieren und Kurse vorziehen und aussetzen, damit man im Auslandssemester leichter Kurse findet, die man sich anrechnen lassen kann, oder schon in einem früheren Semester das Auslandssemester machen, damit man das Problem mit den spezifischen Kursen und vor allem auch den Schwerpunktmodulen vermeidet. Im Endeffekt habe ich in Spanien drei „normale“ Module belegt und zusätzlich noch einen Spanischlernkurs, der von der Uni in Madrid kostenlos angeboten wurde. Das
Learning Agreement zwischen den beiden Unis wurde ohne Probleme akzeptiert und wir hatten in Spanien in den ersten zwei Wochen sogar noch die Möglichkeit die Kurse zu wechseln. Die meisten Kurse an der Uni in Madrid werden auf Spanisch und Englisch angeboten. Ich habe allerdings alle meine Kurse auf Englisch gewählt, da mein Spanisch alltagstauglich war, ich mir aber keinen Unterricht auf Spanisch zugetraut habe.
Die Uni in Madrid hat verschiedene Campi. Ich hatte hauptsächlich am Princesa Campus Vorlesungen, welcher wirklich super zentral gelegen und sehr modern ausgestattet ist. Der Campus hat verschiedene Gebäude mit einem wunderschönen Innenhof im freien, viele gemütlichen Sitzmöglichkeiten, Lern-areas, eine Bibliothek und eine Cafeteria mit sehr leckeren Angeboten. Im generellen bemüht sich die Uni sehr um das Wohlbefinden der Studenten und bietet etliche außerschulische Clubs und Freizeitangebote an. Besonders für die Internationals bietet die Uni ein Buddy- Programm an, welches die Internationalen Studenten mit lokalen connected, indem verschiedene Events organisiert werden. Des Weiteren wird einem vor Beginn des Auslandssemesters bereits eine Ansprechperson zugeteilt, welche einem wirklich jede Frage beantworten kann und sehr daran interessiert ist alles für die Internationals sehr einfach und angenehm zu gestalten. Auch bei Problemen mit Kursen, Änderungen des Learning Agreements etc. war die Ansprechperson immer für einen da. Ich habe mich an der Uni in Madrid wirklich sehr wohl und super gut aufgehoben gefühlt.
Unterkunft
Da ich keine Zeit hatte im Vorhinein nach Madrid zu fliegen und mir die Wohnungen persönlich anzuschauen, habe ich mich für die Buchung bei einer Agency Website entschieden. Man zahlt eine extra Gebühr dafür, dass die Wohnung zuvor von einem Mitarbeiter angeschaut und verifiziert wurde. Falls es jedoch trotzdem zu Schwierigkeiten oder Unstimmigkeiten mit der Wohnung kommen sollte, hilft einem die Organisation da auch weiter und behält zudem die erste Monatsmiete ein, bis man die Wohnung bestätigt hat. Es gibt etliche von solchen Websites, aber ich habe über Spotahome gebucht und damit gute Erfahrungen gemacht. Die Uni in Madrid bietet auch Studentenwohnheime an, was für mich aber einfach nicht die beste Lösung war, da es meines Erachtens recht teuer angeboten wurde und das Studentenwohnheim für die Internationalen Studenten zudem sehr außerhalb gelegen war. Eine meiner Prioritäten war es möglichst im Zentrum zu wohnen und gleichzeitig nicht allzu lange zur Uni zu brauchen. Die einzig halbwegs bezahlbare Option mit diesen Kriterien war eine WG. Und genau das habe ich dann auch gebucht und würde es jederzeit wieder genauso machen. Durch die WG hat man direkt Anschluss in Madrid und man lernt (zumindest in meinem Fall) direkt super nette Menschen aus allen Ecken der Welt kennen. Da alles so international war, haben wir in der Wohnung hauptsächlich Englisch gesprochen was für mich persönlich optimal war, da ich mein Englisch automatisch verbessern konnte.
Alltag
Madrid hat viel zu bieten und es gibt quasi nichts, was es nicht gibt. Wie schon erwähnt werden unterschiedliche Clubs von der Uni aus angeboten, an denen man teilnehmen kann, aber auch die Organisationen CityLifeMadrid und SmartInsiders bietet viele Events an, auf denen man andere Internationals kennenlernen kann. Von Tanzkursen, Bar Crawls, Partys, Picknicks, Bowling, Museumstouren, Kochkursen oder Wochenendtrips ist wirklich alles dabei und jeder wird fündig. Meiner Meinung nach ist das Leben in Madrid wirklich lebenswert, fast täglich scheint die Sonne, abends gibt es die schönsten Sonnenuntergänge und die gesamte Stadt mit ihren Altbauten und den kleinen Balkonen gibt einem täglich das Gefühl man sei im Urlaub. Mit der Metro als auch zu Fuß ist nichts mehr als 20min entfernt, sofern man im oder in der Nähe vom Stadtzentrum wohnt. Die Metro kostet in Madrid monatlich nur 8€ für Jugendliche, was ursprünglich als Corona-Ausgleich galt, aber immer wieder verlängert wurde. Fast schon jedes Wochenende ist irgendwas Spannendes in der Stadt passiert, vom Lichterfestival zu Feuerwerken oder Schafen, die durch die ganze Stadt geführt wurden. In Madrid wird einem wirklich nicht langweilig.
Kosten
Im Vergleich zu Deutschland ist Spanien günstiger. Auch wenn Madrid die Hauptstadt ist und dementsprechend etwas teurer als andere Städte in Spanien, war der Unterschied zu Deutschland schon bemerkbar – solange es nicht um die Mietpreise geht. Gute Angebote für eine gemütliche WG im Stadtzentrum fand ich persönlich schwierig zu finden, aber mit etwas Geduld habe ich die perfekte Option für mich gefunden, die preislich mit Köln vergleichbar war. Ansonsten ist vieles günstiger in Madrid, seien es Klamotten, die Gastronomie oder Lebensmittel. Auch gibt es meiner Meinung nach deutlich mehr gratis Angebote im Vergleich zu Köln. So werden zum Beispiel manche Touren in den Palast oder auch in Museen gratis veranstaltet, Straßenevents wie die Lichtershows, Feuerwerke etc. sind auch alle gratis, in vielen Restaurants gibt es gratis Tapas zum Bier dazu und in ganz vielen Clubs ist der Eintritt bis 1 Uhr gratis.
Meiner Meinung nach habe ich durch das Auslandssemester viel dazu gelernt. Nicht nur durch das Studieren im Ausland, welches mir andere Lernmethoden und Bewertungssysteme nähergebracht hat und meine akademische Laufbahn mit diesen Erfahrungen gewiss geprägt hat. Sondern auch das Leben in einer neuen Kultur und die Menschen die man dort kennengelernt hat. Die Spanier generell sind sehr lebensfreudig und meistens super nett und
hilfsbereit. Es wird nicht komisch geschaut oder unfreundlich reagiert, wenn man sich mit seinem nicht ganz perfekten Spanisch probiert und mit ihnen redet, was mir persönlich sehr weitergeholfen und zudem in meinem Spanisch bestärkt hat. Den Ruf, der den Spaniern vorauseilt, kann ich nur bestätigen. Es wird viel gesungen, getanzt, gefeiert und gelacht. Auch die Gelassenheit, mit der die Spanier den Tag angehen hat mir sehr gut gefallen. An die Tatsache, dass in Spanien tatsächlich alles später anfängt als in Deutschland wie zum Beispiel das Mittagessen, Abendessen, die Uni Vorlesungen, das Vortrinken oder die Clubs, gewöhnt man sich schnell. Mir persönlich haben diese Zeiten viel mehr zugesagt und einem ein wenig das Gefühl vermittelt, der Tag habe mehr Stunden als in Deutschland. Allerdings sollte man auch wissen, dass in Spanien – wahrscheinlich in Korrelation mit den Touristischen Hotspots in Madrid und Barcelona – auch die Taschendieb Quote höher ist. So wurde mir, als auch vielen Leuten, die ich dort kennengelernt habe, zum Beispiel das Handy gestohlen. Allerdings ist das immer nur beim Feiern in bekannten internationalen bzw. touristischen Bars oder Clubs geschehen und ich habe noch von niemandem eine Story gehört, in der auf offener Straße oder am Tag etwas gestohlen wurde. Von daher bin ich der Meinung, dass die erhöhte Quote keine Rolle spielt, solange man beim Weggehen oder an belebten Orten einfach ein bisschen mehr auf seine Sachen achtet.
Alles in allem hat mir das Auslandssemester sehr gefallen. Ich habe mich persönlich weiterentwickelt, da man wirklich mal für ein halbes Jahr aus seinem gewohnten Umfeld rausgekommen ist, in eine neue Stadt, ein neues Land gezogen ist, überwiegend auf einer Fremdsprache kommuniziert hat und sich ein komplett neues Leben mit neuen Personen, Routinen und Gewohnheiten aufgebaut hat. Die Menschen, die ich in Spanien kennengelernt habe und die Freundschaften, die ich geknüpft habe, werden mir bestimmt lange erhalten bleiben und mir somit sicherlich die ein oder andere Tür öffnen und Möglichkeiten bieten, die ich so nicht haben würde.
Das Auslandssemester ist eine super Möglichkeit um neue Leute, neue Kulturen und sich selbst besser kennenzulernen und zudem noch eine Sprache zu erlernen. Ich habe viel vom Auslandssemester erwartet, aber meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Das halbe Jahr hätte nicht schöner sein können und ich kann wirklich jedem Studierenden nur ans Herz legen ein Auslandssemester zu machen, da man ein Land und die Sprache nochmal ganz anders kennenlernt, wenn man dort wohnt und studiert und so einen Alltag dort hat.